Was ist eine Selbstbeteiligung und wie funktioniert sie?
Die Selbstbeteiligung (auch Selbstbehalt genannt) ist der Betrag, den Sie pro Jahr selbst tragen, bevor die private Krankenversicherung Kosten übernimmt. Je höher der Selbstbehalt, desto niedriger der monatliche Beitrag.
Ein Beispiel: Bei einer Selbstbeteiligung von 600 Euro pro Jahr zahlen Sie die ersten 600 Euro an Arztkosten, Medikamenten und Behandlungen selbst. Erst danach erstattet der Versicherer. Dafür sinkt Ihr monatlicher Beitrag um etwa 11 %.
Gängige Selbstbeteiligungsstufen in der privaten Krankenversicherung sind 300, 600, 1.000, 1.500 und 2.000 Euro pro Jahr. Die meisten Versicherer bieten diese Stufen standardmäßig an.
Wie viel Beitrag sparen Sie mit Selbstbeteiligung?
Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittliche Ersparnis pro Stufe, bezogen auf einen Basisbeitrag von 600 Euro monatlich.
| Selbstbeteiligung pro Jahr | Ersparnis ca. | Beitrag statt 600 Euro | Beitragsersparnis pro Jahr |
|---|---|---|---|
| 0 Euro | 0 % | 600 Euro | 0 Euro |
| 300 Euro | 6 % | 564 Euro | 432 Euro |
| 600 Euro | 11 % | 534 Euro | 792 Euro |
| 1.000 Euro | 17 % | 498 Euro | 1.224 Euro |
| 1.500 Euro | 22 % | 468 Euro | 1.584 Euro |
| 2.000 Euro | 27 % | 438 Euro | 1.944 Euro |
Wichtig: Die prozentualen Ersparnisse sind Durchschnittswerte über den Markt. Der tatsächliche Rabatt variiert je nach Versicherer und Tarif.
Break-Even: Ab wann wird die Selbstbeteiligung unwirtschaftlich?
Die Beitragsersparnis lohnt sich nur, solange Ihre tatsächlichen Arztkosten unter einem bestimmten Schwellenwert bleiben. Dieser Break-Even-Punkt ergibt sich aus der Gegenüberstellung von Ersparnis und Eigenanteil.
| Selbstbeteiligung | Beitragsersparnis pro Jahr | Break-Even bei Arztkosten von |
|---|---|---|
| 300 Euro | 432 Euro | Bis 432 Euro: Sie sparen. Darüber: Sie zahlen drauf. |
| 600 Euro | 792 Euro | Bis 792 Euro: Sie sparen. |
| 1.000 Euro | 1.224 Euro | Bis 1.224 Euro: Sie sparen. |
| 1.500 Euro | 1.584 Euro | Bis 1.584 Euro: Sie sparen. |
| 2.000 Euro | 1.944 Euro | Bis 1.944 Euro: Sie sparen. |
Bei der 600-Euro-Stufe sparen Sie also, solange Ihre jährlichen Arztkosten unter 792 Euro bleiben. Liegen Sie darüber, wäre ein niedrigerer Selbstbehalt günstiger gewesen.
Für die Kalkulation relevant: Selbstständige haben oft unregelmäßige Arztkosten. Ein gesundes Jahr mit 200 Euro Kosten kann einem Jahr mit einer aufwändigen Zahnbehandlung für 3.000 Euro folgen. Rechnen Sie deshalb mit dem Durchschnitt über mehrere Jahre.
Vor- und Nachteile einer Selbstbeteiligung
Vorteile:
• Niedrigerer monatlicher Beitrag, spürbare Liquiditätsentlastung
• Bei wenig Arztbesuchen: echte Ersparnis über das Jahr
• Beitragsrückerstattung (BER) bei einigen Versicherern möglich, wenn der Selbstbehalt nicht ausgeschöpft wird
Nachteile:
• Bei häufigen Arztbesuchen oder einer unerwarteten Erkrankung zahlen Sie mehr als ohne Selbstbehalt
• Der Selbstbehalt muss aus dem laufenden Einkommen finanziert werden, das erfordert eine Rücklage
• Späteres Senken des Selbstbehalts ist nur mit einer neuen Gesundheitsprüfung möglich und oft deutlich teurer
Welche Selbstbeteiligungshöhe passt zu Ihrem Profil?
Die richtige Stufe hängt von Ihrem Gesundheitsverhalten und Ihrer finanziellen Situation ab.
Kein Selbstbehalt (0 Euro): Empfehlenswert, wenn Sie regelmäßig zum Arzt gehen, laufende Medikamente nehmen oder Vorerkrankungen haben. Die monatlichen Kosten sind planbar, keine Überraschungen.
Niedriger Selbstbehalt (300 bis 600 Euro): Ein guter Kompromiss für Selbstständige, die selten zum Arzt gehen, aber kein hohes Risiko eingehen möchten. Die Ersparnis von 6 bis 11 % ist spürbar, der Eigenanteil im Krankheitsfall überschaubar.
Hoher Selbstbehalt (1.000 bis 2.000 Euro): Nur sinnvoll bei exzellenter Gesundheit, sehr wenigen Arztbesuchen und einer soliden finanziellen Rücklage. Die Ersparnis von 17 bis 27 % ist erheblich, aber das Risiko im Krankheitsjahr steigt.
Die Tücke: Selbstbeteiligung senken ist später schwierig
Viele Versicherte unterschätzen diesen Punkt: Wenn Sie den Selbstbehalt einmal erhöht haben und ihn später wieder senken möchten, verlangt der Versicherer in der Regel eine neue Gesundheitsprüfung. Haben sich in der Zwischenzeit Vorerkrankungen ergeben, kann die Senkung abgelehnt oder mit Aufschlägen versehen werden.
Das bedeutet in der Praxis: Wählen Sie beim Einstieg einen Selbstbehalt, den Sie langfristig tragen können. Eine spätere Anpassung nach unten ist kein Automatismus, sondern eine neue Vertragsverhandlung.
Steuerliche Auswirkungen der Selbstbeteiligung
Die Selbstbeteiligung hat einen steuerlichen Effekt, der oft übersehen wird. Beiträge zur privaten Krankenversicherung sind als Sonderausgaben steuerlich absetzbar (typischerweise 79 % als Basisabsicherung). Die Selbstbeteiligung selbst können Sie dagegen nicht als Sonderausgabe absetzen.
Das heißt: Ein niedrigerer Beitrag durch höhere Selbstbeteiligung reduziert auch Ihre Steuerersparnis. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % verlieren Sie pro 100 Euro Beitragsersparnis etwa 33 Euro Steuerersparnis. Die effektive Ersparnis durch den Selbstbehalt ist also geringer, als die Bruttobeitragstabelle suggeriert.