Kostensystem verstehen: Wie funktionieren GKV und PKV?
Die beiden Systeme berechnen den Beitrag nach grundverschiedenen Prinzipien.
In der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich der Beitrag nach Ihrem Einkommen. Der Beitragssatz beträgt 14,6 % plus den kassenindividuellen Zusatzbeitrag (Durchschnitt 2026: 2,9 %). Hinzu kommt die Pflegeversicherung. Ihr Einkommen wird dabei mindestens mit 1.318,33 Euro und maximal mit 5.812,50 Euro angesetzt. Das bedeutet: Egal wie viel Sie verdienen, der Beitrag ist nach oben gedeckelt.
In der privaten Krankenversicherung spielt Ihr Einkommen keine Rolle. Der Beitrag hängt statt dessen von drei Faktoren ab: Eintrittsalter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif. Ein 30-jähriger Selbstständiger bei guter Gesundheit zahlt deutlich weniger als ein 50-jähriger mit Vorerkrankungen.
Entscheidender Unterschied für Selbstständige: In beiden Systemen gibt es keinen Arbeitgeberzuschuss. Angestellte erhalten bis zu 508,59 Euro monatlich vom Arbeitgeber. Als Selbstständiger tragen Sie die gesamten Kosten allein.
GKV-Kostenübersicht 2026: Mindest-, Normal- und Höchstbeitrag
Die folgende Tabelle zeigt den GKV-Beitrag für Selbstständige mit Krankengeld-Wahltarif und einem Kind.
| Monatseinkommen | KV-Beitrag | PV-Beitrag (1 Kind) | Gesamt/Monat | Gesamt/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| 1.318 Euro (Minimum) | 231 Euro | 47 Euro | 278 Euro | 3.336 Euro |
| 2.000 Euro | 350 Euro | 72 Euro | 422 Euro | 5.064 Euro |
| 3.000 Euro | 525 Euro | 108 Euro | 633 Euro | 7.596 Euro |
| 4.000 Euro | 700 Euro | 144 Euro | 844 Euro | 10.128 Euro |
| 5.000 Euro | 875 Euro | 180 Euro | 1.055 Euro | 12.660 Euro |
| 5.813 Euro (BBG) | 1.017 Euro | 209 Euro | 1.226 Euro | 14.717 Euro |
Ohne Krankengeld-Wahltarif ist der Beitrag etwas niedriger (ermäßigter Satz 14,0 % statt 14,6 %). Allerdings stehen Sie dann bei längerer Krankheit ohne Einkommensersatz da. Kinderlose zahlen einen höheren Pflegeversicherungsbeitrag (4,2 % statt 3,6 %), was den Höchstbeitrag auf 1.261,32 Euro monatlich erhöht.
PKV-Kostenübersicht 2026: Realistische Beiträge nach Alter
Die PKV-Beiträge hängen nicht vom Einkommen ab, sondern vom Eintrittsalter. Die folgenden Werte gelten für einen Komfort-Tarif bei guter Gesundheit.
| Eintrittsalter | PKV-Beitrag ca. (Komfort) | PKV-Beitrag ca. (Basis) | PKV-Beitrag ca. (Premium) |
|---|---|---|---|
| Unter 25 | 280 Euro | 230 Euro | 342 Euro |
| 25 bis 30 | 370 Euro | 303 Euro | 451 Euro |
| 30 bis 35 | 430 Euro | 353 Euro | 525 Euro |
| 35 bis 40 | 510 Euro | 418 Euro | 622 Euro |
| 40 bis 45 | 600 Euro | 492 Euro | 732 Euro |
| 45 bis 50 | 700 Euro | 574 Euro | 854 Euro |
| 50 bis 55 | 830 Euro | 681 Euro | 1.013 Euro |
Bei Vorerkrankungen können Zuschläge von bis zu 30 % anfallen. Ein 35-jähriger mit leichten Vorerkrankungen zahlt dann statt 510 Euro etwa 587 Euro monatlich.
Direktvergleich: GKV vs. PKV nach Alter und Einkommen
Wann ist die gesetzliche, wann die private Krankenversicherung günstiger? Die Antwort hängt vom Zusammenspiel von Einkommen und Alter ab.
| Profil | GKV-Beitrag ca. | PKV-Beitrag ca. (Komfort) | Günstiger |
|---|---|---|---|
| 30 Jahre, 3.000 Euro Einkommen | 633 Euro | 430 Euro | PKV (203 Euro Ersparnis) |
| 30 Jahre, 2.000 Euro Einkommen | 422 Euro | 430 Euro | GKV (8 Euro Ersparnis) |
| 40 Jahre, 5.000 Euro Einkommen | 1.055 Euro | 600 Euro | PKV (455 Euro Ersparnis) |
| 40 Jahre, 1.500 Euro Einkommen | 315 Euro | 600 Euro | GKV (285 Euro Ersparnis) |
| 50 Jahre, 4.000 Euro Einkommen | 844 Euro | 830 Euro | Ausgeglichen |
Die Tabelle zeigt: Bei höherem Einkommen und jüngerem Alter ist die private Krankenversicherung oft deutlich günstiger. Bei niedrigem Einkommen oder höherem Einstiegsalter kann die gesetzliche Krankenkasse die bessere Wahl sein.
Steuern einrechnen: Was kostet die Krankenversicherung netto?
Beiträge zur Krankenversicherung sind steuerlich absetzbar. Das reduziert die tatsächliche Belastung spürbar.
In der gesetzlichen Krankenversicherung ist der gesamte Basisbeitrag als Sonderausgabe absetzbar. In der privaten Krankenversicherung können Sie typischerweise 79 % des Beitrags als Basisabsicherung steuerlich geltend machen (§ 10 EStG).
Ein Beispiel: Bei einem zu versteuernden Einkommen von 50.000 Euro und einem PKV-Beitrag von 500 Euro monatlich beträgt die Steuerersparnis je nach persönlichem Steuersatz etwa 140 bis 180 Euro monatlich. Der effektive PKV-Beitrag liegt dann bei 320 bis 360 Euro statt 500 Euro.
Sonderfälle: Künstler, Freiberufler und Gründer
Bestimmte Berufsgruppen haben besondere Konditionen.
Künstler und Publizisten (KSK): Mitglieder der Künstlersozialkasse zahlen nur den halben Beitrag. Die KSK übernimmt den Arbeitgeberanteil. Der Mindestbeitrag liegt dadurch bei etwa 139 Euro monatlich. Der Wechsel in die private Krankenversicherung ist erst bei Überschreitung der JAEG von 77.400 Euro jährlich möglich.
Existenzgründer mit niedrigem Einkommen: In den ersten drei Jahren können Gründer ihren tatsächlichen Gewinn als Berechnungsgrundlage heranziehen. Bei einem Gewinn unter 1.318,33 Euro monatlich greift trotzdem die Mindestbemessungsgrundlage.
GmbH-Geschäftsführer: Als Gesellschafter-Geschäftsführer mit mindestens 50 % Beteiligung gelten Sie als selbstständig. Sie haben die volle Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung.
Beitragsentwicklung: Wie oft steigen die Kosten?
Die Kosten steigen in beiden Systemen. Entscheidend ist die Dynamik.
In der privaten Krankenversicherung stiegen die Beiträge im Marktdurchschnitt um etwa 3,3 % pro Jahr. Altersrückstellungen bremsen den Anstieg, gleichen ihn aber nicht vollständig aus.
In der gesetzlichen Krankenversicherung steigen die Kosten ebenfalls, allerdings auf anderem Weg. Der allgemeine Beitragssatz von 14,6 % ist seit 2015 stabil, aber der Zusatzbeitrag wird regelmäßig angehoben (Spanne 2026: 2,18 % bis 4,39 %). Gleichzeitig steigt die Beitragsbemessungsgrenze jährlich, was den Höchstbeitrag nach oben treibt. Auch die Pflegeversicherungssätze wurden in den letzten Jahren mehrfach erhöht.
Beide Systeme werden teurer. Der Unterschied liegt in der Mechanik: In der gesetzlichen Krankenkasse spüren Sie die Steigerung über höhere Zusatzbeiträge und steigende Bemessungsgrenzen. In der privaten Krankenversicherung über direkte Beitragsanpassungen.