PKV-Welt für Selbstständige

Als Selbstständiger tragen Sie die volle Verantwortung für Ihre Absicherung. Kein Arbeitgeber zahlt Ihren Krankenversicherungsbeitrag, kein Unternehmen übernimmt die Haftung bei Berufsfehlern. Eine Krankheit, ein Haftungsfall oder ein Rechtsstreit kann ohne den richtigen Schutz zur Existenzbedrohung werden. Dieser Ratgeber unterscheidet klar zwischen gesetzlichen Pflichtversicherungen und empfohlenen Absicherungen und zeigt, wie Sie Ihre individuelle Risikolage einschätzen.

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„Krankenversicherung ist nicht nur Pflicht, sondern auch Ihre Basis. Für echten Schutz braucht es aber mindestens eine Berufsunfähigkeitsversicherung und branchenabhängig eine Haftpflicht. Mit unserer anonymen Risikovoranfrage können Sie Ihre spezifische Situation klären, ohne sich zu exponieren."
Tim Bökemeier · Experte für private Krankenversicherung

Praxistipps:

check_circle Krankenversicherung ist das Fundament, ab 278 Euro monatlich
check_circle Berufsunfähigkeitsversicherung sichert Ihre Arbeitskraft
check_circle Haftpflicht ist branchenabhängig Pflicht oder dringend empfohlen

Warum Selbstständige anders versichert sein müssen

Angestellte profitieren von einem Sicherheitsnetz, das Selbstständigen fehlt. Ein Angestellter erhält bei Krankheit sechs Wochen Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber und anschließend bis zu 78 Wochen Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse. Selbstständige erhalten weder Lohnfortzahlung noch automatisches Krankengeld.

Ähnlich verhält es sich bei Haftungsfällen. Verursacht ein Angestellter einen Fehler, haftet in vielen Fällen der Arbeitgeber. Als Selbstständiger haften Sie persönlich mit Ihrem Privatvermögen. Ein einziger Beratungsfehler kann Schadenersatzforderungen im fünfstelligen oder sechsstelligen Bereich nach sich ziehen.

Diese Ausgangslage macht private Absicherung nicht optional, sondern existenziell. Gleichzeitig sollten Sie nicht jede angebotene Versicherung abschließen. Entscheidend ist die richtige Priorität.

Hinweis

Nach 78 Wochen Krankheit zahlt niemand Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung ohne Krankengeld-Wahltarif stehen nach Ablauf des Krankengeldes ohne Einkommen da. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schließt diese Lücke.

Versicherungsunterlagen prüfen

Universelle Pflichtversicherungen

Zwei Versicherungen sind für alle Selbstständigen gesetzlich vorgeschrieben, unabhängig von Branche oder Einkommen.

Versicherung Rechtsgrundlage Kosten ca. Hinweis
Krankenversicherung (GKV oder PKV) § 193 VVG 278 bis 1.261 Euro/Monat Pflicht für jeden Einwohner in Deutschland
Pflegeversicherung § 20 SGB XI Automatisch an KV gekoppelt Entfällt nicht bei Selbstständigkeit

Die Krankenversicherung ist die mit Abstand wichtigste Pflichtversicherung. Sie haben die Wahl zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung. In der gesetzlichen Krankenkasse richtet sich der Beitrag nach Ihrem Einkommen. Der Mindestbeitrag liegt 2026 bei 278 Euro monatlich (mit Krankengeld), der Höchstbeitrag bei 1.226,44 Euro monatlich mit Kindern oder 1.261,32 Euro kinderlos (jeweils inklusive Pflegeversicherung).

Die Pflegeversicherung ist automatisch an Ihre Krankenversicherung gekoppelt und wird zusammen mit dem Krankenversicherungsbeitrag abgeführt.

Branchenspezifische Pflichten: Berufshaftpflicht

Für bestimmte Berufsgruppen ist eine Berufshaftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Für alle anderen ist sie dringend empfohlen.

Berufsgruppe Haftpflicht-Pflicht Typische Kosten pro Jahr Rechtsgrundlage
Ärzte und Zahnärzte Ja, gesetzlich vorgeschrieben 1.000 bis 10.000 Euro Berufsordnung
Rechtsanwälte Ja, gesetzlich vorgeschrieben 300 bis 1.500 Euro § 51 BRAO
Architekten und Ingenieure Ja, gesetzlich vorgeschrieben 500 bis 3.000 Euro Landesarchitektengesetz
Steuerberater Ja, gesetzlich vorgeschrieben 400 bis 2.000 Euro § 67 StBerG
IT-Berater und Designer Empfohlen, nicht Pflicht 100 bis 500 Euro Branchenüblich
Handwerker Je nach Gewerk empfohlen 200 bis 1.000 Euro Branchenüblich

Ein konkretes Beispiel zeigt die Dimension: Ein freiberuflicher Webentwickler liefert eine fehlerhafte Software aus, die bei seinem Kunden einen Datenverlust verursacht. Der Schaden beläuft sich auf 80.000 Euro. Ohne Berufshaftpflicht haftet der Entwickler mit seinem Privatvermögen. Mit einer Police für 200 Euro pro Jahr wäre der Fall abgesichert.

Empfehlungen mit hoher Priorität: Das Absicherungstrio

Neben den gesetzlichen Pflichten gibt es drei Versicherungen, die für nahezu alle Selbstständigen sinnvoll sind.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Diese Versicherung sichert Ihr wichtigstes Kapital: Ihre Arbeitskraft. Wenn Sie durch Krankheit oder Unfall Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, zahlt sie eine monatliche Rente. Für einen 35-jährigen Berater liegen die Kosten bei etwa 30 bis 60 Euro monatlich. Statistisch ist Berufsunfähigkeit die häufigste Versicherungslücke bei Selbstständigen.

Rechtsschutzversicherung: Vertragsstreitigkeiten mit Kunden, steuerrechtliche Auseinandersetzungen oder Forderungsausfälle sind für Selbstständige keine Seltenheit. Eine Rechtsschutzversicherung kostet etwa 8 bis 15 Euro monatlich und deckt Anwalts- und Gerichtskosten ab.

Altersvorsorge: Selbstständige sind in den meisten Fällen nicht gesetzlich rentenversichert. Die Altersvorsorge liegt vollständig in Ihrer eigenen Verantwortung. Ob Rürup-Rente, private Rentenversicherung oder Kapitalanlage: Beginnen Sie frühzeitig, denn jedes Jahr ohne Vorsorge vergrößert die Versorgungslücke im Alter.

Kostenlogik: Minimum, Sicherheit, Optimal

Nicht jeder Selbstständige kann sich sofort das volle Absicherungspaket leisten. Die folgende Tabelle zeigt drei realistische Szenarien.

Szenario Enthaltene Versicherungen Monatliche Kosten ca.
Minimum (nur Pflicht) Krankenversicherung, Pflegeversicherung 278 bis 500 Euro
Sicherheit (Pflicht + Kern) Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Berufsunfähigkeit, Berufshaftpflicht 400 bis 650 Euro
Optimal (umfassend) Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Berufsunfähigkeit, Berufshaftpflicht, Rechtsschutz, Altersvorsorge 600 bis 900 Euro

Die Kosten variieren nach Branche, Alter und individuellem Risikoprofil. Entscheidend ist: Beginnen Sie mindestens mit dem Szenario Sicherheit. Das Minimum-Szenario deckt nur die gesetzliche Pflicht, nicht Ihre tatsächlichen Risiken.

Ihre spezifische Situation: Risikovoranfrage

Jede Selbstständigkeit bringt ein eigenes Risikoprofil mit. Ein Steuerberater hat andere Absicherungsbedürfnisse als eine Fotografin oder ein Dachdecker. Pauschale Empfehlungen greifen deshalb oft zu kurz.

Mit unserer anonymen Risikovoranfrage können Sie Ihre persönliche Situation klären. Sie geben einige Eckdaten an: Berufsgruppe, Alter, Familienstand und bestehende Absicherungen. Auf dieser Basis prüfen wir, welche Versicherungen für Sie relevant sind und welche Konditionen mehrere Anbieter bieten. Das Verfahren ist gebührenfrei, vertraulich und unverbindlich.

Der Vorteil: Sie erhalten eine auf Ihre Situation zugeschnittene Übersicht, ohne dass ein formaler Antrag gestellt wird. Es entstehen keine Einträge bei Versicherern und keine Verpflichtungen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Versicherungen gelten für alle Selbstständigen als Pflicht? expand_more
Nur die Krankenversicherung und die automatisch daran gekoppelte Pflegeversicherung sind universelle Pflicht. Alle weiteren Versicherungen sind branchenabhängig vorgeschrieben oder empfohlen.
Was passiert, wenn ich keine Krankenversicherung habe? expand_more
Ohne Krankenversicherung verstoßen Sie gegen § 193 VVG. Es drohen Säumniszuschläge und im Ernstfall müssen Sie die vollen Behandlungskosten selbst tragen.
Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung Pflicht? expand_more
Nein, sie ist keine gesetzliche Pflicht. Für Selbstständige ist sie aber eine der wichtigsten freiwilligen Absicherungen. Ohne sie stehen Sie bei dauerhafter Berufsunfähigkeit ohne Einkommen da, da die gesetzliche Erwerbsminderungsrente für viele Selbstständige nicht greift.
Wie viel sollte ich monatlich für Versicherungen einplanen? expand_more
Als Orientierung: Zwischen 400 und 650 Euro monatlich decken die gesetzliche Pflicht plus die wichtigsten empfohlenen Absicherungen ab. Die genaue Summe hängt von Ihrer Branche, Ihrem Alter und Ihrem Risikoprofil ab.
Kann ich die Versicherungskosten steuerlich absetzen? expand_more
Ja. Krankenversicherung und Pflegeversicherung sind als Sonderausgaben absetzbar. Berufshaftpflicht und Rechtsschutz gelten als Betriebsausgaben. Die Berufsunfähigkeitsversicherung können Sie im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen geltend machen.

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Tim Bökemeier

Tim Bökemeier

Geschäftsführer & PKV-Experte

Tim Bökemeier berät seit über 15 Jahren Selbstständige zur privaten Krankenversicherung. Als Gründer von selbststaendig-pkv.de hat er über 3.800 Kunden bei ihrer KV-Entscheidung begleitet.

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calendar_today Zuletzt aktualisiert: 27. März 2026

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