PKV-Welt für Selbstständige

Eine Ablehnung durch die private Krankenversicherung ist ein Rückschlag, aber kein Aus. Sie haben konkrete Optionen: den Basistarif, der ohne Gesundheitsprüfung zugänglich ist, andere Versicherer mit abweichenden Bewertungskriterien und die gesetzliche Krankenversicherung. Dieser Ratgeber erklärt, warum Ablehnungen passieren, welche Folgen sie haben und wie Sie mit einer anonymen Risikovoranfrage eine Ablehnung von vornherein vermeiden.

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„Die beste Strategie gegen eine Ablehnung ist Prävention. Wer vor dem formalen Antrag eine anonyme Risikovoranfrage stellt, kennt seine Chancen vorab und riskiert keinen HIS-Eintrag. Wenn die Ablehnung bereits passiert ist, gibt es trotzdem Wege."
Tim Bökemeier · Experte für private Krankenversicherung

Praxistipps:

check_circle Anonyme Risikovoranfrage verhindert Ablehnungen im Vorfeld
check_circle Basistarif ist ohne Gesundheitsprüfung zugänglich (§ 152 VAG)
check_circle Andere Versicherer bewerten Gesundheitsrisiken unterschiedlich

Warum lehnt die private Krankenversicherung ab?

Private Versicherer haben keine Annahmepflicht. Sie kalkulieren das Risiko jedes Antragstellers individuell. Wenn das erwartete Leistungsrisiko zu hoch ist, kann der Versicherer den Antrag ablehnen.

Typische Ablehnungsgründe sind: aktive Krebserkrankungen oder Krebserkrankungen mit kurzem rezidivfreiem Zeitraum, schwere psychische Erkrankungen mit laufender Behandlung, HIV-Infektion, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Herzinsuffizienz), aktive Suchterkrankungen und multiple schwere Vorerkrankungen in Kombination.

Nicht jede Vorerkrankung führt zur Ablehnung. Viele Erkrankungen werden mit einem Risikozuschlag (bis zu 30 % auf die Prämie) oder einem Leistungsausschluss gelöst. Eine Ablehnung ist die schärfste Reaktion und betrifft nur einen kleinen Teil der Antragsteller.

Beratung bei PKV-Ablehnung

Das HIS-System: Was passiert mit der Ablehnung?

Ein formaler Antrag, der abgelehnt wird, kann im Hinweis- und Informationssystem (HIS) gespeichert werden. Andere Versicherer sehen diesen Eintrag und wissen, dass bereits eine Ablehnung vorlag.

Das Problem: Ein HIS-Eintrag erschwert künftige Anträge bei anderen Versicherern. Auch wenn der Ablehnungsgrund bei einem anderen Anbieter kein Problem wäre, führt der Eintrag zu erhöhter Skepsis.

Deshalb ist die anonyme Risikovoranfrage so wichtig: Sie erfolgt ohne Namensnennung und erzeugt keinen HIS-Eintrag. Wenn Sie die Voranfrage nutzen, bevor Sie einen formalen Antrag mit Gesundheitsprüfung stellen, kommt es gar nicht erst zur Ablehnung.

Option 1: Der Basistarif

Jeder private Krankenversicherer ist gesetzlich verpflichtet, den Basistarif nach § 152 VAG anzubieten. Er ist ohne Gesundheitsprüfung zugänglich und steht Ihnen auch nach einer Ablehnung offen.

Merkmal Basistarif
Gesundheitsprüfung Keine
Leistungsumfang Entspricht GKV-Niveau
Beitrag Maximal GKV-Höchstbeitrag (2026: 1.226,44 Euro mit Kind, 1.261,32 Euro kinderlos)
Bei Hilfebedürftigkeit Halbierung des Beitrags
Altersrückstellungen Werden angerechnet

Der Basistarif ist die Sicherheitsstufe, nicht die Ideallösung. Die Leistungen sind auf GKV-Niveau beschränkt, und die Vergütung für Ärzte ist gedeckelt, was in der Praxis dazu führen kann, dass nicht alle Ärzte Basistarif-Patienten annehmen.

Option 2: Bei anderen Versicherern anfragen

Die Bewertungskriterien variieren erheblich zwischen Versicherern. Was bei einem Anbieter zur Ablehnung führt, kann bei einem anderen mit einem Risikozuschlag oder sogar zu regulären Konditionen angenommen werden.

Der richtige Weg: Nutzen Sie die anonyme Risikovoranfrage, um bei mehreren Versicherern gleichzeitig anzufragen. Da die Voranfrage anonym erfolgt, weiß kein Versicherer von der vorherigen Ablehnung. Sie erhalten einen objektiven Überblick über Ihre Chancen am Markt.

Option 3: Gesetzliche Krankenversicherung

Als Selbstständiger steht Ihnen die gesetzliche Krankenversicherung jederzeit offen. Es gibt keine Gesundheitsprüfung, keine Ablehnung und keinen HIS-Eintrag. Der Beitrag richtet sich nach Ihrem Einkommen: mindestens 278 Euro monatlich (mit Krankengeld), maximal 1.261,32 Euro monatlich (kinderlos, 2026).

Die gesetzliche Krankenversicherung ist für Selbstständige mit Vorerkrankungen oft die pragmatische Lösung. Sie bietet einen soliden Grundschutz, Familienversicherung für Ehepartner und Kinder (bis 538 Euro Monatseinkommen) und keine gesundheitsbezogenen Einschränkungen.

Prävention: Ablehnung vermeiden

Die effektivste Strategie ist Prävention. Stellen Sie nie einen formalen PKV-Antrag, ohne vorher eine anonyme Risikovoranfrage gemacht zu haben. Die Voranfrage zeigt Ihnen:

• Welche Versicherer Sie aufnehmen würden

• Zu welchen Konditionen (regulär, mit Zuschlag, mit Ausschluss)

• Welche Versicherer wahrscheinlich ablehnen würden

Mit diesen Informationen stellen Sie den formalen Antrag nur bei einem Versicherer, der Sie voraussichtlich annimmt. Eine Ablehnung und ein HIS-Eintrag werden damit praktisch ausgeschlossen.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich nach einer Ablehnung bei einem anderen Versicherer einen normalen Tarif bekommen? expand_more
Ja, das ist möglich. Die Bewertungskriterien variieren. Per anonymer Risikovoranfrage können Sie die Chancen bei anderen Anbietern prüfen, ohne dass diese von der Ablehnung erfahren.
Wird der HIS-Eintrag irgendwann gelöscht? expand_more
HIS-Einträge haben keine gesetzliche Löschfrist, können aber auf Antrag überprüft werden. In der Praxis bleiben sie oft mehrere Jahre bestehen.
Muss ich bei der anonymen Risikovoranfrage angeben, dass ich bereits abgelehnt wurde? expand_more
Die anonyme Risikovoranfrage ist namenlos. Der Versicherer sieht nur Ihre Gesundheitsdaten, nicht Ihre Identität oder Ihre Antragshistorie. Die vorherige Ablehnung ist für die Voranfrage nicht relevant.
Kann ich vom Basistarif später in einen normalen Tarif wechseln? expand_more
Innerhalb desselben Versicherers ist das schwierig, da eine Gesundheitsprüfung erforderlich wird. Wenn sich Ihr Gesundheitszustand gebessert hat, kann es aber möglich sein. Ein Tarifwechsel nach § 204 VVG steht Ihnen grundsätzlich zu.
Was ist der Unterschied zwischen Basistarif und Notlagentarif? expand_more
Der Basistarif ist ein regulärer Tarif mit GKV-Leistungsniveau. Der Notlagentarif greift nur, wenn Sie Beitragsschulden haben und ist ein reines Minimalangebot für akute Notfälle. Der Basistarif ist die deutlich bessere Option.

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Tim Bökemeier

Tim Bökemeier

Geschäftsführer & PKV-Experte

Tim Bökemeier berät seit über 15 Jahren Selbstständige zur privaten Krankenversicherung. Als Gründer von selbststaendig-pkv.de hat er über 3.800 Kunden bei ihrer KV-Entscheidung begleitet.

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calendar_today Zuletzt aktualisiert: 27. März 2026

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