Das HIS-System: Warum Sie sich schützen müssen
Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) ist eine Datenbank, in der Versicherer Informationen über Antragsteller speichern. Wenn Sie einen formalen PKV-Antrag stellen und dieser abgelehnt wird, kann der Versicherer einen Eintrag vornehmen. Andere Versicherer sehen diesen Eintrag und wissen, dass bereits eine Ablehnung bei der Gesundheitsprüfung vorlag.
Das Problem: Ein HIS-Eintrag bleibt bestehen und macht es schwieriger, bei einem anderen Versicherer aufgenommen zu werden. Auch wenn der Ablehnungsgrund bei einem anderen Versicherer kein Problem wäre, führt der HIS-Eintrag zu erhöhter Skepsis und genauerer Prüfung.
Die anonyme Risikovoranfrage umgeht das HIS vollständig. Kein Name wird genannt, kein Antrag wird gestellt, kein Eintrag wird erzeugt.
Anonyme Risikovoranfrage: Schritt für Schritt
Schritt 1: Gesundheitsdaten zusammenstellen. Sammeln Sie Informationen zu Ihren Behandlungen der letzten drei bis fünf Jahre, aktuellen Medikamenten, chronischen Erkrankungen und geplanten Operationen.
Schritt 2: Daten anonymisiert übermitteln. Sie übermitteln Ihre Gesundheitsdaten an uns, ohne dass Ihr Name an die Versicherer weitergegeben wird. Wir erstellen ein anonymisiertes Profil.
Schritt 3: Anfragen bei mehreren Versicherern. Wir stellen Anfragen bei allen relevanten Anbietern gleichzeitig. Die Versicherer bewerten Ihr anonymes Profil und teilen mit: Aufnahme zu regulären Konditionen, Aufnahme mit Risikozuschlag (und dessen Höhe), Aufnahme mit Leistungsausschluss oder voraussichtliche Ablehnung.
Schritt 4: Ergebnisse vergleichen. Innerhalb von ein bis zwei Wochen erhalten Sie die Rückmeldungen aller angefragten Versicherer. Sie sehen auf einen Blick, wer Sie aufnehmen würde und zu welchen Konditionen.
Schritt 5: Entscheidung treffen. Erst wenn Sie sich für einen Versicherer entscheiden, wird Ihr Name genannt und ein formaler Antrag gestellt. Bis dahin bleiben Sie anonym.
Anonyme Voranfrage vs. formaler Antrag
| Merkmal | Anonyme Risikovoranfrage | Formaler Antrag |
|---|---|---|
| Name wird genannt | Nein | Ja |
| HIS-Eintrag bei Ablehnung | Nein | Ja |
| Verbindliches Angebot | Nein (Tendenzaussage) | Ja |
| Kosten | Keine | Keine |
| Dauer | 1 bis 2 Wochen | 2 bis 4 Wochen |
| Rückzug möglich | Jederzeit, ohne Folgen | Ablehnung wird gespeichert |
Die Reihenfolge ist entscheidend: Erst anonym testen, dann formal beantragen. Nie umgekehrt.
Typische Szenarien: Wann macht die Voranfrage Sinn?
Szenario 1: Gesund, aber unsicher. Sie haben keine bekannten Vorerkrankungen, möchten aber sichergehen, dass keine Überraschung im Gesundheitsfragebogen auftaucht. Die Voranfrage bestätigt, dass Sie zu regulären Konditionen aufgenommen werden.
Szenario 2: Vorerkrankungen vorhanden. Sie hatten vor drei Jahren eine Psychotherapie oder haben leichten Bluthochdruck. Sie wissen nicht, ob das zur Ablehnung führt. Die Voranfrage zeigt konkret, welche Versicherer Sie trotzdem aufnehmen und welche Zuschläge anfallen.
Szenario 3: Bestmögliche Konditionen finden. Auch ohne Vorerkrankungen variieren die Konditionen zwischen Versicherern. Die Voranfrage bei mehreren Anbietern zeigt Ihnen den günstigsten Beitrag für Ihr Profil.
Szenario 4: PKV oder GKV entscheiden. Sie sind sich noch nicht sicher, ob die private Krankenversicherung das Richtige ist. Die Voranfrage liefert Ihnen den konkreten Beitrag, mit dem Sie gegen den GKV-Beitrag vergleichen können.
Datenschutz in der Praxis
Die Anonymität funktioniert durch einen Vermittler (in diesem Fall wir als Ihr Makler). Wir kennen Ihre Identität, die Versicherer nicht. Die Anfrage enthält nur: Alter, Geschlecht, Gesundheitsdaten und gewünschten Tarif. Kein Name, keine Adresse, keine Sozialversicherungsnummer.
Die Versicherer bewerten das anonyme Profil genauso wie einen echten Antrag. Der Unterschied: Sie können das Ergebnis nicht einem konkreten Menschen zuordnen. Erst wenn Sie den formalen Antrag stellen, erfahren sie, wer hinter dem Profil steht.
Kosten, Dauer und nächste Schritte
Die anonyme Risikovoranfrage ist gebührenfrei und unverbindlich. Es entstehen keine Kosten, weder für Sie noch für den Versicherer. Die Bearbeitungszeit beträgt typischerweise ein bis zwei Wochen. Bei komplexen Gesundheitshistorien kann es etwas länger dauern.
Nach der Voranfrage haben Sie drei Optionen: Sie stellen den formalen Antrag beim bevorzugten Versicherer, Sie entscheiden sich gegen die private Krankenversicherung (ohne Nachteile) oder Sie warten und stellen die Voranfrage zu einem späteren Zeitpunkt erneut.
Wenn die Voranfrage negativ ausfällt
Ein negatives Ergebnis bedeutet nicht das Ende Ihrer Optionen. Es gibt mehrere Wege.
Andere Versicherer anfragen: Die Bewertungskriterien variieren zwischen Versicherern. Was bei einem Anbieter zur Ablehnung führt, kann bei einem anderen problemlos angenommen werden. Die Voranfrage bei mehreren Anbietern gleichzeitig deckt dieses Potenzial ab.
Wartezeit nutzen: Manche Gesundheitsfragen beziehen sich auf einen Rückblickszeitraum von drei bis fünf Jahren. Wenn eine Behandlung bald aus diesem Zeitraum fällt, kann eine erneute Voranfrage in einigen Monaten ein anderes Ergebnis bringen.
Gesetzliche Krankenversicherung als Alternative: Als Selbstständiger steht Ihnen die gesetzliche Krankenversicherung jederzeit offen. Kein HIS-Eintrag, keine Gesundheitsprüfung. Der Beitrag richtet sich nach Ihrem Einkommen (Mindestbeitrag 278 Euro, Höchstbeitrag 1.261,32 Euro monatlich kinderlos, 2026).
Basistarif: Jeder private Versicherer ist verpflichtet, den Basistarif nach § 152 VAG ohne Gesundheitsprüfung anzubieten. Die Leistungen entsprechen dem GKV-Niveau, der Beitrag ist auf den GKV-Höchstbeitrag gedeckelt.
Nach positiver Voranfrage: Der formale Antrag
Wenn die Voranfrage ein positives Ergebnis liefert, stellen Sie den formalen Antrag beim gewählten Versicherer. Dabei ändert sich Folgendes: Ihr Name wird genannt, der Versicherer erstellt ein verbindliches Angebot und Sie müssen den Gesundheitsfragebogen erneut ausfüllen (diesmal mit Name).
Wichtig: Geben Sie im formalen Antrag exakt die gleichen Gesundheitsinformationen an wie in der Voranfrage. Abweichungen können dazu führen, dass das Ergebnis der Voranfrage nicht mehr gilt.